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Die Gemeinde Barlt

Zwischen Nordsee und Klevhang, wenige Kilometer vor den Toren Meldorfs im südwestlichen Teil Dithmarschens im Bundesland Schleswig-Holstein liegt das Marschendorf Barlt.

Umringt vom Unesco Weltnaturerbe Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer, dem Speicherkoog, den Gemeinden Busenwurth, Gudendorf, St. Michaelisdonn, Volsemenhusen, Trennewurth und Kronprinzenkoog liegt die Gemeinde als südlichste des Amtes Mitteldithmarschen. Die mit 2280 ha drittgrößte Flächengemeinde des Amtes erstreckt sich von der Geest bis zur Nordsee und besteht aus den Ortsteilen Barlter-Klev, Himmelreich, Barlt, Barlter-Altendeich, Barlter-Kamp und Barlter-Neuendeich.

Berlette oder barlete wurde 1140 erstmals erwähnt und die Bedeutung des Namens ist unklar. Ber bedeutet Eber, bero Bär und lette kommt aus dem niederdeutschen und heißt Grenzbefestigung, Verbau oder Verschanzung. Entstanden ist Barlt im Ortskern als Reihensiedlung auf moorigem Untergrund, begünstigt vom ersten Deich, der die Nordsee vom Festland fern halten sollte. Die frühen Siedler waren Bauern und die Landwirtschaft prägt mit ihren 10 Vollerwerbsbetrieben auch heute noch das Ortsbild. Im Ortskern gibt es keine mehr.

Die Kirche im Dorf

Die Barlter waren aber auch lange Zeit Fischer. Erst 1970 mit dem Entstehen des Speicherkoogs verschwand der letzte Fischer und der Hafen, der dem Dorf in früheren Jahrhunderten so viel wirtschaftliche Stärke verliehen hatte. Das Kirchspiel trieb über seinen Hafen einen regen Handel, aus der eine Macht resultierte, die den Menschen im Dorf schon früh die Selbständigkeit bescherte. 1426 gab es Vorüberlegungen der Dörfer Barlt, Trennewurth, Kannemoor und Volsemenhusen, ein eigenes Kirchspiel zu gründen. Aber erst am 29. Oktober 1428 sagte sich der Ort vom damals dominierenden Meldorf los und wurde als 20. Kirchspiel ein eigenständiges Kirchspiel. 30 Jahre später war die St. Marien Kirche fertig gestellt, ein Backsteinbau auf einem Fundament aus Findlingen und einem Eichendachstuhl. Ursprünglich war Barlt ein Teil des Kirchspiels Meldorf. In der Zeit der Bauernrepublik Dithmarschen war das Dorf vergleichsweise reich, wie der Bau der Barlter Kirche 1428 zeigt. Sie wurde unter der vermutlich vorgeschobenen Begründung, dass die Hovetkirche (Hauptkirche) in Meldorf aufgrund der schwierigen Wetter- und Bodenbedingungen oft nicht erreichbar war, gebaut – für die Dithmarscher Marschbauern gehörte es zum Alltag, beim häufigen nassen Wetter über durchweichte Kleiböden und überschwemmte Entwässerungsgräben zu ihren Zielen gelangen zu müssen. Überschwemmungen, Kriegswirren und andere Zwistigkeiten taten ein Übriges.

Die Barlter schafften es in der Folge, alleine aus Dorfmitteln eine Kirche zu entrichten, zeitweise 2 Pastoren zu bezahlen und weiterhin ihre Abgaben an das Kirchspiel Meldorf zu zahlen. Der Kirchbau gehört damit auch in eine spätere Generation der Kirchbauten als diese nicht mehr zur Gründung von regional ausgedehnten Kirchspielen führten, sondern in ihrer Wirkung und in ihrem Bau lokal begrenzt blieben.

Sehenswertes

Das Dorf hat sich über die Jahre ein idyllisches Bild bewahrt. Barlt diente schon dem Fernsehen als Kulisse für die Verfilmung von Hans Falladas „Bauern, Bonzen und Bomben“.

Unweit der Kirche steht das Gustav Frenssen Haus. Dort brachte der bekannteste Sohn des Dorfes (1863 – 1945) seine Romane zu Papier, die ihn zunächst für einige Zeit zum meistgelesenen deutschsprachigen Autor und sogar nobelpreisverdächtig machten. Durch seine Nähe zum Nationalsozialismus ruinierte er später jedoch sein Ansehen. Nicht weniger interessant als der Blick ins beschauliche Frenssen Haus ist der Besuch des Galerieholländers „Ursula“. Die dank intensiver Bemühungen der Besitzerfamilie, der Gemeinde und des Mühlenbauvereins noch voll funktionsfähige Windmühle ist besonders beim Mühlentag am Pfingstmontag ein wahrer Besuchermagnet.

Als Besonderheit gilt die so genannte Reihensiedlung im Einfeldsweg, eine für Dörfer untypische Siedlungsform. Denn nur auf der einen Straßenseite sind dort nach dem 2. Weltkrieg Häuser auf alten Luftschutzbunkern entstanden.

Entspannung und Gemütlichkeit

Wer Barlt entdecken möchte, kommt an der „Harmonie“ nicht vorbei. Die letzte von einst 5 Dorfschänken ist nicht nur einfach eine Gastwirtschaft, denn die „Harmonie“ macht ihrem Namen alle Ehre und hält das Dorf zusammen. Der Gemeinderat unter dem damaligen Bürgermeister Fritz Sachau bewies Weitsicht, als er 1991 den Gasthof vor dem Aus bewahrte. Die Barlter kauften das Haus, renovierten es und verpachteten die Wirtschaft. Natürlich treffen sich dort die Vereine und es finden Feste im großen Saal statt. Der Gemeinderat tagt dort und die Langjugend und die Theatergruppe führen niederdeutsche Stücke auf.

Ohne dieses Haus wäre Barlt nicht mehr das, was sie heute noch auszeichnet: Die Barlter halten zusammen. Dabei schotten sie sich keineswegs ab. Im Gegenteil, sie unterstützen mit regelmäßigen Hilfslieferungen Dörfer und deren Bewohner in Litauen und engagieren sich über die Kirchengemeinde in El Salvador.

Stets willkommen sind auch Feriengäste. Wer in seinem Urlaub Ruhe sucht, nimmt in Barlt sein Quartier. 50 Gästebetten stehen zur Verfügung. Kundige wissen: Die Nordsee, das Weltnaturerbe „Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer“, die Nordseebäder St. Peter Ording, Büsum, Friedrichskoog und Meldorfer Bucht sowie die nächste Stadt sind nicht weit entfernt. Baden, Wandern, Schaufensterbummel oder Museumsbesuch bieten sich als Aktivitäten an.

Wie in früheren Zeiten spielt die Entwässerung in den Marschen auch heute noch eine große Rolle. Entwässert wird das Gemeindegebiet über sog. Verbandsvorfluter, dessen Wasser über Norder- und Süderfleet, Brustwehrstrom und Meentenstrom von Ost nach West das Niederschlagswasser in den Sommerkoog fließen lassen. Aus diesem Speicherbecken fließt es bis zum heutigen Tage im Gezeitenrythmus über das Sielbauwerk Stertloch in die Nordsee.